Interessante Betriebsart für Freunde des Funkempfangs:

Mit JT65-HF auf der Jagd nach QSL-Karten

Da ist man nun als SWL, als Freund des Funkfernempfangs also, schon in der absoluten Minderzahl, als “Randerscheinung” im weltweiten Funkbetrieb oft mit einem “mitleidigen Blick” bedacht, und dann sind da beim Empfang in den verschiedenen Betriebsarten noch so viele formale Dinge zu beachten, damit am Ende vielleicht doch die ersehnte QSL-Karte, die Empfangsbestätigung aus weiter Ferne, “anlandet” … Ein Empfangsamateur schildert seine Erfahrungen mit einem Notebook und einem einfachen Weltempfänger.

Wer sich aber auf seine Fahne geschrieben hat, hauptsächlich viele dieser bunten Trophäen in seine diversen “Schuhkartons” zu bekommen, dem geht es mit dem analogen “QSO für QSO” recht mühsam von der Hand. Da wartet der Hörer manchmal eine gefühlte Ewigkeit, bis das benötigte Rufzeichen der Gegenstation genannt wird oder auch der Name des lizenzierten Operator fällt. Nicht so bei der digitalen Betriebsart JT65, wo noch fernste Stationen bei sagenhaft dünnem Signal, also beinahe im “Flüstermodus”, aufgezeichnet werden, genau da, wo ein SSB-QSO im Rauschen kläglich versinken würde.

 

1 - JT65-HF: Die Software JT65-HF ist für unsere Zwecke in der Version 1.0.9.3 einsetzbar; 
2 - JT65-HF QRG (rechts): Die wichtigsten QRG sind im Menü der Macros zu finden.

JT65-HF als Software

Ohne Computer geht das natürlich keinesfalls, und so steht das JT65-Programm im Internet unter (1) zum Herunterladen bereit. Die aktuelle Version wurde mit 1.0.9.3 bezeichnet und ist nicht nur für den Sendebetrieb hervorragend geeignet. Als SWL bekommen wir gerade hier Stationen im Überfluss “aufgetischt”! Nach müheloser Installation setzen wir zunächst im Setup einige Parameter. Vor allem sind die beiden Felder der Soundkarte von Bedeutung, denn sonst warten wir vergebens, dass sich im Display, dem “Wasserfall”, etwas tut. Das Rufzeichen und den Locator einzutragen können wir uns als SWL eigentlich sparen, denn wir wollen ja nicht senden. Der Reiter “Macros” ist für uns Hörer insofern interessant, weil wir dort die verwendeten Frequenzen dieser Betriebsart aufgelistet finden. 

Unter “Colors” stellt man die Farben ein, in denen die empfangenen und  fortlaufend gelisteten Stationen dargestellt werden, … wichtig: CQ TEXT, vielleicht GRAY und ONGOING QSO wäre mit LIME optisch gut hervor gehoben. Die mittlere Farbeinstellung können wir uns als SWL sparen. Im STATION SETUP findet sich ganz unten ein Hinweis, dass während des Betriebes eine Log-Datei angelegt wird, deren Speicherort individuell festgelegt werden kann. Mit SAVE SETTINGS setzen wir zum Schluss den Einstellungen die “Richtschnur”. Keinesfalls zu vernachlässigen ist die Genauigkeit unserer PC-Uhr, denn mit dieser arbeitet die Software eng zusammen. Jeder Sende/Empfangs-Zyklus besteht nämlich aus sekundengenau EINER Minute. Die PC-Uhr kann bequem übers Internet gestellt werden und ist damit genügend gut kalibriert!  

Empfangsbeobachtungen

Beim ersten Versuch stellen wir die Frequenz des Empfängers auf 14076 kHz in USB ein, denn dort ist schnell ein Erfolg zu erleben. Im Wasserfall, dem man verschiedene Darstellungen zuweisen kann, tut sich dann (hoffentlich) etwas. Gleichzeitig sollte auch im Fenster “Dial QRG kHz” diese 14076 zu lesen sein, denn unsere Log-Datei listet damit genau diese Angabe mit auf. Bei einem Wechsel der Frequenz muss also die Zahl vom Empfänger immer mit der Zahl in diesem kleinen Fensterchen übereinstimmen, sonst stimmt am Ende unser Log nicht und die Angaben der QSL-Karte könnten abweichend und damit falsch sein, … Ergebnis: Keine QSL oder “Mecker” … Hi.

Bei den nun ankommenden Stationsauflistungen können die Zeilen recht unterschiedlich aussehen. Was wir mit GRAU eingestellt haben, können wir ignorieren, das sind CQ-Sendungen. Die “normale” QSO-Zeile in leuchtendem GRÜN besteht am Ende aus zwei unterschiedlichen Rufzeichen. Und genau die benötigen wir ja als SWL unbedingt beide! Das hintere Call ist immer die Station, die WIR empfangen, also an die dann die QSL-Karte gehen wird. QSL aber nur dann, wenn ein QSO vollständig ist, und das ist dann erst der Fall, wenn ganz hinten eine 73 zu lesen ist. Beim Ausfüllen der QSL-Karte haben wir nun die beiden Stationen, die Zeit in UTC entnehmen wir aus der ersten Spalte des Programms und der Rapport ist unter “dB” zu finden, also z. B. -18. Eine hohe Zahl im Minus bedeutet schwaches Signal, eine niedrige Zahl, wie vielleicht -4, ist dann “ein dicker Brummer” … Hi. Der Clou aber: Selten kommt bei einem Sendezyklus nur eine neue Zeile, heißt eine neue Station, dazu, sondern in ganzer Breite der QRG senden oft mehrere nebeneinander, die das Programm natürlich “versteht” zu trennen und einzeln auflistet!

3 - JT65-HF Kopie: Rechtsklick = Zwischenspeicher, Markierung: WEISS; 4 - JT65-HF Wasserfall: Starke und schwächere Signale nebeneinander im Wasserfall.

Die Auswertung

Sitzt man beim Empfang im Shack, werden die QSL-Karten möglicherweise sofort nebenher ausgefüllt. Wer aber bei starkem Betrieb nicht hinterher kommt, macht auf die Zeile mit der 73 am Ende einen Rechtsklick mit der Maus, und schon sind diese Daten im Zwischenspeicher des PC, der dann im nebenan geöffneten Texteditor mit STRG+V abgelegt werden kann. Genial aber, wenn wir eben mal andere Verpflichtungen haben oder gar träumend die Nachtruhe verbringen! Die technische Anlage kann getrost weiter laufen und uns vielleicht seltene Stationen in die ständig geschriebene Log-Datei “zaubern”. Das ist zwar eine CSV-Datei (nie gehört …), aber der entsprechende Editor ist unter (2) zum Herunterladen verfügbar.

In diesem Programm bekommen nun unsere “automatischen Aufzeichnungen” das entsprechende Format. Um die vielen Spalten (Columns) etwas übersichtlicher zu bekommen, werden die für uns nicht relevanten Columns einfach mit einem Häkchen versehen und “versteckt”, HIDE COLUMNS. Dann löschen wir zunächst alle die Zeilen, die hinten keine 73 haben, und schon ist der Überblick etwas “augenfreundlicher”. Klar, die QSL-Karte ausfüllen muss man dann schon selbst, aber das ist doch sicher die Ehre eines jeden SWL . Und dazu vielleicht noch schön handschriftlich, denn wir wollen ja nicht nur eine “mitmischende” Minderheit, sondern genau die OM am Rande der Funkerwelt sein, denen ebenfalls Beachtung geschenkt wird.

Dann also auf zur Jagd nach massenhaften QSO und damit auch zu einem “dicken Stapel” QSLs! Wer aber etwa denkt, es gehöre zu dieser Betriebsart ein hochwertiger Empfänger, dem sei gesagt, dass es hier im praktischen Portablebetrieb ein Weltempfänger SANGEAN ATS-909X und ein Notebook erfolgreich getan haben! Kleiner Hinweis noch am Rande: CSVed ist Cardware! Wer das Programm herunter lädt und benutzt, sollte dem Autor eine Karte schicken, … und das ist für uns OM doch kein Thema! Oder? Dann also 55 für das Arbeiten mit JT65-HF!  

Hartmut Brodien, DE2HBD, Homepage: http://de2hbd.de.vu

 

5 - CSVed: Gesammelte Daten im CSV-Editor, nach “Bereinigung” für unsere Zwecke

Zum Weiterlesen

(1) http://jt65-hf.com/downloads/ oder (1) http://iz4czl.ucoz.com/index/0-28

(2) http://csved.sjfrancke.nl/

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