Mit RADIO-SCANNER auf der EXPO 2000 in Hannover (2)

Tipps für Besucher der Weltausstellung

Für die Highlights braucht man mindestens drei Tage

Der Palast der vereinigten Arabischen Emirate

Über die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover gibt es einen Wust an Informationen jeglicher Art. Um Ihnen das Durchforsten zu ersparen und Ihnen als Besucher der gigantischen Schau ein paar Anregungen zu geben, wie Sie sich innerhalb von einem, zwei oder drei Tagen fix die „Rosinen“ herauspicken können, sind wir für Sie vier Tage durch die Pavillons und Hallen gestreift und haben dabei auch auf (funk)technische Exponate geachtet. Denn für uns liegt die Expo ja direkt vor der Haustür.

Dritter Tag: Hoch hinaus im Holland-Pavillon

Nach einem Tag Pause (wg. Regen und müder Beine) geht es am 8. Juni bei Sonnenschein wieder auf das Expo-Gelände. Diesmal steht das Pavillongelände Ost auf dem Programm, das ideal mit den U-Bahn-Linien 6, 11, 14 (ab Bahnhof Karl-Wiechert-Alle) und 16 zu erreichen ist.  

Erstes Ziel: der hochgelobte Pavillon der Niederlande, dessen Konzept auf einer Stapelung von Landschaften beruht. Motto: Holland schafft Raum (für die Natur). Schon gegen 10 Uhr misst die Warteschlange rund 100 Meter. Oben angekommen, auf 36 Meter Höhe, eröffnet sich ein herrlicher Ausblick weit in die abwechslungsreiche Landschaft und über das ganze Expo-Gelände. Auf dem Dach warten moderne Windmühlen auf ein Lüftchen. Die Menschen staunen über die Wasserlandschaft hier oben ebenso wie über den Wald in der vierten und die Blumen mit Monitor-Bienen in der zweiten Etage. Zwischendurch Multimediales über Land und Leute. Ein Pavillon, der viel Abwechslung bietet, aber weder Käse noch Tulpen.

Gleich nebenan einer meiner Lieblingspavillons: Finnland empfängt mit wunderschönen, witzigen, farbenprächtigen und liebevoll gemalten Szenen, für deren Betrachtung man sich etwas Zeit nehmen sollte. Figuren in der Sauna, Handys (natürlich von Nokia) als lustige Lebewesen; anschließend geht's durch einen Birkenwald in die Halle der Wirtschaft, danach folgt ein stiller Raum mit Vogelgezwitscher und Schmetterlingen in einer idyllischen Seenlandschaft. Und am Ende sollte man unbedingt die leckeren Piirakka (Piroggen) probieren (5 Mark), vielleicht mit einem Lapin Kulta, einem Bier aus Lappland (6 Mark).

Wasser und Wind sind die Hauptthemen im gestalterisch gelungenen dänischen Pavillon, wo wir lernen, dass nur 0,007 Prozent des Wassers auf der Erde trinkbar ist. "Mensch, Natur, Technik", das Motto der Weltausstellung, wurde hier besonders gut umgesetzt. Die Abteilung "Der spielende Mensch" mit ihren phantasievollen Lego-Kreationen dürfte nicht nur für die Kinder interessant sein.

Architektonische Perle: Ungarns Pavillon

Als nächstes folgt der ungarische Pavillon, eine architektonisch-ästhetische Meisterleistung mit außerordentlich gelungenen Präsentationen aus Geschichte und Gegenwart des Landes. Der Film macht richtig Lust, Ungarn einmal zu bereisen. Die "Gebäudeplastik" mit dem bewachsenen Dach ist innen und außen mit Tannenholz verkleidet und bleibt nach der Expo stehen.

Portugal empfängt den Besucher in einer lichtdurchfluteten Halle, wo im Breitbildformat zu entspannender Musik ein hinreißender Film über das Land gezeigt wird. Nette Geste an müde Besucher sind die Pappschachtel-Stühle.

Nun folgen die drei Baltik-Staaten Estland, Litauen und Lettland. Das Yellow Submarine der Litauer ist im Innern dunkel und riecht nach dem schwarzen Gummiboden. Estland lässt unter dem gläsernen Fußboden eine Ebene mit dicken Steinen an Stahlseilen auf und ab gleiten. Im gleichen Rhythmus bewegen sich auf dem Dach Riesen-Mohrüben (mit Kraut aus Fichten). Architektonisch ganz reizvoll. Bei Lettland bleibt das schöne Reetdach sicher im Gedächtnis haften. Und beim Wal, dem Pavillon der Hoffnung und Wahrzeichen der Expo, sind es sicher die optimistische Stimmung und das Engagement der Kinder und Jugendlichen, etwas für eine bessere Welt und deren in vielen Ländern arg leidenden Kinder zu tun.

Tipp: Im Wal gibt's einen großen Kaffee schon für 3,50 Mark und ein Essen ab 13,90 Mark - vergleichsweise preiswert.

 Wer sich wundert, dass das Riesenrad am Ende des 12. Boulevards fast unbesetzt fährt, sollte sich mal das Preisschild anschauen: zehn Mark pro Person! Dann doch lieber kostenlos an den See setzen und die Stille in dieser Ecke des Geländes genießen.

Geballtes Angebot

Auf dem Rückweg geht es entlang des 10. Boulevards Schlag auf Schlag: die Vereinigten Arabischen Emirate mit orientalischem Basar, echtem Wüstensand, Kostproben aus Küche und Wasserpfeife sowie einer interessanten Ausstellung. Danach Italien mit einer Technikschau (Leonardo da Vincis technische Zeichnungen und Entwürfe, blauer Ferrari, Lancia-Zukunftsauto u.v.m.).

Monaco erfordert dank vieler Treppen gute Beinarbeit, die aber die schöne Aussicht, u.a. auf zwei festgemachte Luxusyachten im eigens angelegten Hafen, lohnt. Aussagekräftige Videoschau. In einer 3-D-Präsentation wird das Leben im Meer dargestellt, speziell das Plankton.

Richtiges Wasser auch bei Kroatien, dem blauen Pavillon, in dem ein fröhlich-schwungvoller Film zu einem Besuch des Landes aus dem ehemaligen Jugoslawien einlädt. Wunderschöne Landschaften dürften vielen die Entscheidung erleichtern.

Und noch einmal der Orient: Mit einem mächtigen Palast lockt der Jemen Scharen von Besuchern an. Auch hier ein orientalischer Basar, authentische Architektur und ein Ambiente, das gut das Lebensgefühl des Orients vermittelt.

Belgien bietet nicht nur einen guten Gag in der Eingangshalle, der natürlich nicht verraten wird, sondern etwas, das wir sonst nirgends gefunden haben.

Tipp: Im belgischen Pavillon gibt's kostenlos eine Probe belgischen Bieres der Marke Duvel. Hopfenstark!

 

Irlands Pavillon wird von einer schwarzen Kalksteinwand und vier Türmen mit künstlerischen Installationen dominiert. Geschichte und Kultur des Landes werden eingängig vermittelt.  Nette Selbstironie: Wer seine Hand in einen Schlitz steckt, bekommt einen Eindruck vom typischen irischen Wetter: Regen. Überhaupt spielt das Wetter (und das Meer) für Irland eine wichtige Rolle, bekommt dieses sympathische Land doch, wie eine Videowand mit Wolkenkino zeigt, die atlantischen Tiefs meist zuerst ab.

 

Vierter Tag: Eine Reise durch die Zeit

Wer sich für alternative Energien und nachhaltige Wirtschaft interessiert, sollte einen Blick ins Global House (neben dem Deutschen Pavillon) werfen. Dort ist u.a. eine Solarfähre zu sehen. Solche sonnengetriebenen Wasserfahrzeuge sind bereits am Bodensee, in Hamburg und ab Juli in Hannover im Einsatz.

Frankreich gibt u.a. einen Einblick in die europäische Raumfahrt und zeigt Modelle der Trägerrakete Ariane 5 und des Meteosat. Dort kann man sich außerdem vom Stand der Entwicklung des dreidimensionalen Fernsehens ein Bild machen. Die Allioscopy von Pierre Allio zeigt aber auch, dass es bis zur Serienreife noch ein weiter Weg ist. Gute Inszenierungen mit Licht und Geräuschen bleiben nach dem Besuch dieses riesigen Pavillons im Gedächtnis.

Wer mal die Lucy sehen möchte, sollte den äthiopischen Pavillon besuchen. Dort begrüßt ihn das versteinerte Skelett der vor 3,2 Millionen Jahren verstorbenen Dame, das 1974 ausgegraben worden ist. Draußen duftet es nach Kaffee, der über einem offenen Feuer geröstet wird.

Gegenüber donnert ein Wasserfall. Darunter verbirgt sich der Eingang in den silbern glänzenden Pavillon Norwegens. Die Besucher verharren in einem Raum der Stille und warten irritiert, dass etwas passiert. Tut sich aber nichts! Es ist nichts zu hören als hin und wieder das Geräusch eines Steines, der eine Felswand hinabrollt. Botschaft: Ohne Geräusche keine Stille!

Im riesgigen Pavillon des Vereinigten Königreiches von Großbritannien kann der Besucher durch Körperbewegungen und das Auslösen von Fußsensoren selbst Musik erzeugen. Einer der seltenen Augenblicke, wo die Expo-Gäste mal selbst aktiv werden können.

Spanien zeigt, wie man's nicht machen soll und verärgert viele seiner Besucher. Diese werden nach längerem Anstehen durch fünf (!) Video- bzw. Diaschauen geschleust. Aus letzterer flüchten die meisten schon nach 30 Sekunden. Schade! Denn die Botschaft "Die Zerstörung der Natur ist die Zerstörung unserer selbst", wie sie im ersten Film vermittelt wurde, wird dadurch wieder verschüttet. Vielleicht bleiben ja doch noch die schönen Bilder aus Spaniens Nationalparks im Gedächtnis.

Tschechien führt seine Gäste durch eine Kathedrale. Im nächsten Raum ist ein mächtiger Turm aus Tausenden von Büchern aufgebaut, in dessen Innerem sich Spiegel drehen. Polen lädt u.a. in ein Salzbergwerk ein, die Schweiz lässt ihre Gäste in einem riesigen Labyrinth herumirren.

Eine Gelegenheit zum Ausruhen bietet die Europäische Union. Ein fünfminütiger Film zeigt die Geschichte der EU. Gag: Die Besucher sitzen in einem Simulator, der ihnen das Gefühl vermittelt durch Zeit und Raum zu fliegen. Alte Radios und Fernseher, Fahrzeuge aus den 50er Jahren, Filmprogrammhefte.

Ja, und dann sind da noch die vielen Hallen mit den Ländern aus Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika und Kanada. Die Nordamerikaner bieten übrigens die eindrucksvollste Multimediaschau aller Nationen: ein überwältigendes Sound- und Bildergewitter, Wasserspiele und Lasereffekte. Das Thema der Expo "Mensch, Natur, Technik" wurde hier auf besonders ungewöhnliche Art umgesetzt. Ein schöner Abschluss unseres Expo-Besuchs.

Fazit: Die bunte Weltschau bietet jedem etwas. Man muss nur das finden, was den eigenen Interessen entspricht, sollte aber unbedingt bereit sein, Neues zu entdecken. Eine Vor- und Nachbereitung anhand von Expo-Führern und mitgenommenen Prospekten empfiehlt sich auf jeden Fall zum besseren Verständnis. Ich hoffe, unser Rundgang kann ihnen bei der Auswahl ihrer Ziele ein wenig helfen.

Lustig: Die Karten von schwedischen Kindern - Swedish Design im Schweden-Pavillon

3,2 Millionen Jahre alt: Das versteinerte Gerippe der Dame Lucy ist im äthiopischen Pavillon ausgestellt

Astronomisches Instrument aus der Antike im Pavillon Griechenlands: der Rechner von Antikythera

China zeigt u.a. Einblicke in sein Raumfahrtprogramm.

Vor Halle 2 steht das Jugend-Laboratorium von DaimlerChrysler, wo es Technik zum Anfassen und Ausprobieren gibt - hier eine Wärmebildkamera

Ebenfalls im Lab.001: The Speed of Sound - wie lange braucht ein Ton durch einen 170 Meter langen Kunststoffschlach.

Internationale Raumstation im Themenpark (Wissen)

Russischer Satellit METEOR in Halle 17 Stand Russlands). Dort ist auch die MIR zu sehen, natürlich als Modell

Raumstation MIR

Das geplante europäische Großraumflugzeug

Orient live: Yemens Pavillon lohnt auf jeden Fall einen Besuch

Tschechien: ein ganzer Raum aus Büchern

Holz - das Material der Zukunft. Im Themenpark geht es um die Nachhaltugkeit der Wirtschaft, also: nur so viel ernten, wie auch nachwächst.

Zurück zum 1. Teil --- Bildergalerie Handys im finnischen Pavillon

www.expo2000.de

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