Störenden Unterlegung von Text in Radio und Fernsehen

mit nervigen Geräuschen und Musik - Meinungen

 

zu den Lesermeinungen

Nicht nur die nervige Hintergrundmusik zum Beispiel beim Wettergespräch, den Verkehrsnachrichten, bei Dokumentationen, in Magazinsendungen oder bei der Anmoderation nerven. Auch daran, dass Musiktitel oft nicht ausgespielt, sondern vom nächsten Song überlappt werden, stören sich Leser von funkempfang.de. Turbo-Zoom und Stakkatoschnittfolgen im Halbsekunden-Takt verleiden einem ebenfalls immer mehr Fernsehbeiträge.

Was meinen Sie dazu?

 

Stellungnahme der ARD-Programmdirektion

"Musikalische Untermalung ein wichtiges dramaturgisches Mittel"

Wir bedauern Ihre Kritik an der Hintergrundmusik in Sendungen des Ersten, die Sie als Klangbrei empfinden.
Es tut uns sehr leid, dass Sie die akustische Untermalung als störend empfunden haben. Selbstverständlich soll die Musik unsere Zuschauer nicht daran hindern, die Dialoge in der Sendung zu verstehen.

Dennoch ist die musikalische Untermalung ein wichtiges dramaturgisches Mittel, das seit den Anfängen der Filmindustrie eingesetzt wird. Auf dessen maßvollen Einsatz können auch wir nicht verzichten.

Auch in Informationssendungen setzen die Autorinnen und Autoren der Beiträge Musik als Stilmittel ein. Damit gelingt es ihnen, dramaturgische Akzente zu setzen und Informationen noch anschaulicher zu vermitteln. Wir bedauern, dass Sie sich dadurch gestört fühlten.

Andererseits gibt es aber auch Lautheitssprünge innerhalb der Programme und zwischen den Sendungen. Dieser Themenkomplex wird seit vielen Jahren in der ARD und der gesamten Fernsehbranche diskutiert.

Inzwischen hat die ARD wie alle anderen Fernsehanbieter in Deutschland daran gearbeitet, die Lautstärke der Sendungen des Ersten Deutschen Fernsehens zu harmonisieren und die Lautheitsunterschiede im Programmablauf sowie zwischen den einzelnen Sendungen zu verringern. Dazu trägt auch der technische Fortschritt im Bereich der Mess- und Aussteuerungsverfahren bei.

Seit der Internationalen Funkausstellung 2012 senden die Öffentlich-Rechtlichen gemeinsam mit den privaten Free- und Pay-TV-Anbietern in einer einheitlichen Lautstärke - sowohl in den Programmbeiträgen als auch bei Werbung und Programmhinweisen. Zwar gibt es weiterhin leisere und lautere Stellen im  Programm, aber die Kontraste sind weniger extrem.

Mit der Anpassung hoffen wir, den Bedürfnissen unserer Zuschauerinnen und Zuschauer nun besser entsprechen zu können. Wir können Ihnen zudem versichern, dass unsere Tontechniker und Akustiker laufend den technischen Fortschritt auf diesem Gebiet beobachten, um ihn ggf. für die Ausstrahlungstechnik nutzbar werden zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Rüdiger Heise, Erstes Deutsches Fernsehen, Programmdirektion, Zuschauerredaktion Das Erste (im Sept. 2017)

 

Anscheinend ist mein Leserbrief nicht richtig verstanden worden. Gegen
"normale" Filmmusik habe ich nichts einzuwenden. Hier mein Originaltext:


Mein Leserbrief-Text

Klangbrei-Radio und Tonterror-TV

Nachdem wir uns schon von den öffentlich-rechtlichen Radiostationen die NDR Niedersachsen weitgehend abgenabelt haben, weil dort immer mehr Textpassagen wie Wettergespräch, Verkehrsmeldungen sowie An- und Abmoderationen mit Klangbrei versehen werden und das Hören nervenaufreibend wird, greift diese Seuche, alles mit Musik hinterlegen zu müssen, verstärkt aufs Fernsehen über. Menschen mit Hörgerät dürften heirvon besonders stark betroffen sein.

Vor allem eigentlich von den Themen her interessant zu werden versprechende Verbrauchersendungen wie "Alles Wissen" oder "Markt" vergraulen durch immer stärker eingesetzte, teils aggressive Hintergrundmusik nun auch ihr treues Publikum: die älteren Hörer und Seher.

Nachdem die Jugend bereits vom Fernsehen verstärkt zu Streamingdiensten übergewechselt ist, ergreifen in unserem Bekanntenkreis (über 60 Jahre alt) immer mehr Menschen die Flucht vor Öffi-Radio und -TV und wechseln zu DAB+ (Absolut Relax) und Internetradio.

Die Sendung Markt im NDR nervt zunehmend mit Klangbrei. Am 21. August wollten wir uns nach "Markt" auf NDR 3 die anschließende Verbrauchersendung über „Die Tricks der Getränkeindustrie“ anschauen, haben aber nach fünf Minuten entnervt den Ausschaltknopf betätigt. Die Töne im Hintergrund waren einfach nicht mehr zu ertragen. Sogar die Ergebnisverlesung bei der Sportschau am Samstag zwingt inzwischen dazu, den Ton leiser zu drehen oder abzuschalten.

Weiter so! Dann haben die ARD-Sender in unserer Altersklasse ihre Hörer und Seher in den nächsten drei bis fünf Jahren um sicherlich ein Drittel bis zur Hälfte reduziert. YouTube und die Streamingdienste werden sich über verstärkten Zulauf an frustrierten Hörern freuen.

Nehme an, dieser „Service“ am Zuschauer ist von ganz oben verordnet ...

mit freundlichen Grüßen Dieter Hurcks (Journalist i.R.) - August 2017

 

Tönendes Beispiel: Ich empfehle, gegen 7.50 Uhr das Wettergespräch im Radioprogramm von NDR 1 Niedersachsen anzuhören. Auch die Sendungen "Markt" in den Dritten sowie die Dokus auf 3sat oder Panorama im Ersten sind voll von nervigen Hintergrundstörungen, die man selten als Musik bezeichnen kann.


Lesermeinungen

B. Weisshuhn schreibt (11/2017): Das von ihnen beschriebene Problem ist, wie einschlägigen Foren und Zeitungsartikeln zu entnehmen ist, den Verantwortlichen schon lange bekannt. Es scheint aber, dass eine Veränderung erst dann eintreten würde, wenn sie selber als Hörbehinderte betroffen wären.
Der veröffentlichte Antwortbrief der ARD ist offensichtlich nur ein Textbaustein in den Computern der ARD, da ich praktisch den gleichen auf eine ähnliche Kritik von einer anderen Mitarbeiterin Franziska Aschenauer der ARD erhalten habe.
Es wird pauschal bedauert, wenn die Hintergrundmusik als störend empfunden wird. Man könne aber auf eine maßvolle (?) Verwendung nicht verzichten.
Man ignoriert dabei, dass die Hintergrundmusik inzwischen in fast jeder Sendung inflationär und in einer dominierenden Form eingespielt wird. Dadurch erlebt der hörbehinderte Zuschauer solche Sendungen/Filme praktisch als Stummfilm, wie vor 100 Jahren als bewegte Bilder ohne Sprache mit musikalischer Umrahmung ggf. noch mit Untertiteln soweit diese im Videotext verfügbar sind.
Es wird verharmlost, dass die Hintergrundmusik in Konkurrenz zum gesprochenen Wort Zuschauern mit einer Hörbehinderung eine Teilhabe am Fernsehen verhindert, weil sie den Inhalt nicht mehr verstehen können und praktisch dazu verurteilt werden, andere Medien zur Information und Unterhaltung zu nutzen.
(Hierzu vielleicht ein Vergleich: Würde man alle historischen Altstädte wieder mit Kopfsteinpflaster versehen, nur weil es gestalterisch und stilistisch besser aussieht?)

Meine Antwort: Hallo, Herr Weisshuhn, danke für Ihre aufschlussreiche Mail. Ich dachte schon, ich wäre in dieser Sache ein Einzelkämpfer. Ich bin nicht hörbehindert, sondern - im Gegenteil - hypersensitiv, weshalb mir die Hintergrundgeräusche vor allem bei den Dokumentationen auf 3sat u.a., die wir sonst gerne geschaut haben, auf die Nerven gehen, z.T. verbunden mit Kopfschmerzen. Selbst meine Frau sagt nach spätestens 15 Minuten: "Abschalten"! So müssen wir auf viele im Grunde sehr interessante Beiträge verzichten, z.B. auf die Doku über den weltweiten Flugverkehr auf 3sat oder gestern auf Panorama im Ersten (der Beitrag Microplastik war audiomäßig grausam). Auch TV-Verbrauchersendungen wie Markt in den dritten Programmen nerven, ebenso mit Musik unterlegte Radiobeiträge wie Verkehrsmeldungen, Wetterberiche, Anmoderationen. Die Gebühren muss man ja trotzdem bezahlen, auch wenn man sich von den öffentliche-rechtlichen Stationen abwendet und lieber Internetradio hört ...

Manfred T. schreibt (10/2017): Was mich als 72-jährigen erfreut, ist Ihre entschiedene Ablehnung der Hinterlegung von Wortnachrichten, z.B Wetterbericht, mit "Musik" im Radio. Das empfinde ich als ungemein störend und belästigend. Erstmal ist das nach meiner Auffassung keine Musik mehr, sondern nur noch Krach ... Und dafür sollen wir alle auch noch GEZ-Gebühren entrichten. Ein Rückfall ins finsterste Mittelalter
Eine weitere Unsitte im Radio ist es, die Musiktitel nicht bis zu dem vom Komponisten vorgeschriebenen Ende auszuspielen, sondern den Auftakt des nächsten Titels noch auf die letzten hörbaren Noten des vorherigen darüberzulegen. Eine Pause zum "Luftholen" (zur Verinnerlichung des eben Gehörten) gibt es bei dieser Nonstop-Dudelei heutzutage nicht mehr. Ein Glück, dass ich jetzt den Laptop habe! Eine gesunde Darbietung von guter Musik gibt es noch im Internet.

Was meinen Sie dazu?

 

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