Erfahrungsbericht über den Handy-Recorder Zoom H2 von Conrad

Mobiler Audiorekorder und externe Soundkarte

Beim Handy-Recorder Zoom H2 handelt es sich um einen mobilen Audiorecorder für bis zu vier Aufnahmekanäle und zur Datenspeicherung auf SD-Karte. Das Design erinnert an das seit mehr als 40 Jahren bekannte  Sennheiser-Mikrophon MD 421. Ein Bericht von Klaus Fuchs.

Hauptverwendungszweck des H2 dürfte der Mitschnitt von Lifesendungen, Reportagen und Podcasts sein. Hier lassen sich die vier verbauten W-XY Mikrofone (90/120/360 Grad, Zwei-Kanal Stereo und Vier-Kanal Surround) mit unterschiedlicher Richtcharakteristik gut einsetzen. Alternativ kann ein externes Mono/Stereomikrofon angeschlossen werden. Eine Monitorfunktion/Mithörkontrolle ist natürlich vorhanden. Musiker können das eingebaute „Metronom“ und  eine „Instrumentenstimmfunktion“ nutzen.

Für Normalnutzer ist eine Line-In/Out-Buchse zum analogen Mitschneiden bzw. Ausspielen von Radio oder CD-Spielern vorgesehen. Natürlich lässt sich der H2 eingeschränkt auch als MP3-Player verwenden. Beim Anschluss an einen Computer wird der H2 zu einer externen USB-Soundkarte und kann als Massenspeicher dienen.

Erste Erfahrungen

Ich kaufte mir den Rekorder um qualitativ hochwertige Aufnahmen ohne Zuhilfenahme eines Computers zu erstellen. Der H2 verfügt über ein kleines LC-Display mit 128 x 64 Pixeln, um alle Funktionen/Parameter einzustellen. Mit etwas Übung hangelt man sich sehr schnell durch die Menüs.

Im WAV-Format ist eine Quantisierung von 24 bit bei einer Samplingfrequenz von 96 kHz möglich. Im MP3-Format beträgt die Samplingfrequenz 44,1 kHz bei einer konstanten Bitrate bis zu 320 kbps. Alternativ besteht die Möglichkeit, mit einer variablen Bitrate aufzuzeichnen. Die Aufnahmen können mit einem Zeitstempel versehen, Marker gesetzt, geschnitten, konvertiert, gelöscht, normalisiert und betitelt werden. Neben manueller Aussteuerungskontrolle besteht die Möglichkeit, dies einer schnell arbeitenden Automatik zu überlassen, selbst VAC, also pegelabhängiger Aufnahmestart ist möglich. Zusätzlich lassen sich Compressor/Limiter und ein Windfilter zuschalten.

Unterstützt werden normale SD-Karten (bis 2 GB) und die neuen SDHC-Karten (bis 4 GB geprüft). Zum mobilen Betrieb sind zwei Mignonakkus oder Alkaline-Batterien (AA) notwendig, die einen Dauerbetrieb bis zu fünf Stunden gewährleisten. 

Ideal zum Mitschneiden

Beim Einsatz als Reportagerecorder unter Verwendung der eingebauten Mikrofone sind unbedingt der im Lieferumfang enthaltene Windschutz (POP) sowie ein montierbarer Handgriff (Entkopplung vom Gehäuse) zu verwenden, um Raschelgeräusche zu vermeiden. Ein zusätzlicher Tischstandfuß ist ebenfalls im Lieferumfang vorhanden. Das Gehäusegewinde ist zu jedem Fotostativ kompatibel. Es empfiehlt sich jedoch, ein gutes externes Mikrofon mit 3,5 mm Klinkenstecker (Fernspeisung mit 2,5Volt ist möglich) anzuschließen und den H2 lediglich zur Steuerung der Aufnahme einzusetzen. Richtige Mikrofonbuchsen im Format XLR oder 6,3 mm Klinke sowie Phantomspeisung mit 5/24/48 Volt sind nicht vorhanden. Auch fehlen SPDIF-Ein/Ausgänge und es lassen sich lediglich niederohmige 32-Ohm-Kopfhörer anschließen. Somit ist der Anwenderkreis klar auf den Hobby/Amateurbereich ausgelegt.

Liegt gut in der Hand: Zoom H2

Gute Klangqualität

Als Mitschneiderecorder von analogen Quellen ist der H2 in seinem Element. Die Klangqualität im WAV- und MP3-Format, auch bei niedrigen Datenraten, ist gut bis sehrgut. Sowohl mit Aufnahmeautomatik (AGC) als auch mit manueller Aussteuerung stellt der H2 meine bisherigen Rekorder in den Schatten. Bei stationärem Betrieb ist jedoch das kleine Display zu bemängeln. Mit montiertem Tischstandfuß ist weder Karten- noch Batteriefach zugänglich. Das Display ist stehend (Einblick von oben) auf dem Tisch schlecht ablesbar.

Als USB-Soundkarte und Massenspeicher ist der Zoom ebenfalls einsetzbar. Unter Windos XP und Vista werden die Treiber bei Anschluss automatisch installiert, der H2 ist nach wenigen Minuten (meistens) betriebsbereit. Im Bus-gespeisten Betrieb als Soundkarte (Audio-Interface) beträgt die Quantisierung noch 16 bit bei einer Samplingrate von 44,1/48 kHz. Dies ist ausreichend für den Hausgebrauch. Als Aufnahmesoftware kann die Freeware Audacity mit Lame Encoder empfohlen werden.

Als Massenspeicher bzw. bei Fileübertragung auf den PC ist Geduld angesagt. Trotz USB 2.0 schleichen die Daten vom H2 zum Rechner. Alternativ sollte man die Daten über einen externen Kartenleser übertragen.

Mikrofonanordnung

Fazit: Ausgezeichnet

Hervorragendes Gerät für den Amateureinsatz. Alle relevanten Buchsen sind in 3,5mm Klinke ausgeführt, womit bereits vorhandene Kopfhörer (32 Ohm) und Mikrofone aus dem Konsumerbereich Anschluss finden. Die Stromversorgung ist durch Verwendung der Mignongröße universell. Für den professionellen Einsatz fehlen jedoch die genormten Anschlüsse (XLR, SPDIF, 6,3 mm Klinke etc.) und Phantomspeisung für Mikrofone. Für den rauen Bühneneinsatz ist der H2 nicht robust genug und die Bedienung ist zu menülastig.

Alternativen für semiprof. Einsatz

Zoom H4 (ca. 300 Euro)

M-Audio MicroTrack 2 (ca. 300 Euro)

 

Auf einen Blick

Getestet: ZOOM H2 Handy Recorder

Aufnahmen im 2-Kanal- und 4-Kanal-Modus

WAV-Recording mit bis zu 96 kHz Samplingfrequenz, Quantisierung mit 16/24 bit

MP3-Recording mit 44,1 kHz Samplingfrequenz, Bitrate bis zu 320 kbps (VBR)

AD/DA-Wandlung 24 bit/128-faches Oversampling

Speichermedium: SD (2 GB) und SDHC-Karte (4 GB)

Zeitstempel, Umbenennung, Normalisieren, Teilen, Löschen von Aufnahmen

Formatumwandlung, AGC, Windfilter, Compressor/Limiterfunktion, Markerfunktion

Metronom und Instrumentenstimmfunktion, Mithörkontrolle

Playbackfunktion für 44,1/48 kHz und Bitraten von 32-320 kbps (VBR)

Beleuchtetes Display mit 128 x 64 Pixeln

Line-In/Out 3,5mm Stereoklinke (10 kOhm)

Mikrofonbuchse 3,5 mm Stereoklinke mit 2,5 Volt Phantomspeisung (20 kOhm)

3-stufiger Mikrofonempfindlichkeitsschalter

Kopfhöreranschluss (komb. mit Line-Out 32 Ohm (2 x 15m W)

Integrierte USB-Soundkarte (Audio-Interface) 16 bit, 44,1/48 kHz

Stromversorgung: 2 Mignon (AA) und Steckernetzteil

Betriebsdauer: maximal 5 Stunden

Abmessungen: ca. 63,5 x 110 x 32 mm

Gewicht: ca. 110 g ohne Batterien

Lieferumfang: Zoom H2, 512MB SD-Karte, Tischstativ, Handgriff, Windschutz, Ohrhörer,

USB-Kabel, Stereoanschlusskabel und Steckernetzteil 9V/300mA, ausführliche deutsche Anleitung

Preis 199 Euro

Bezug: z.B. Conrad Electronic, Best.-Nr.: 303196

Ausführlicher Testbericht in FE 36 (Nov. 2008)

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