Zwei Digitalfotokameras im Vergleich - Erfahrungsbericht von Klaus Fuchs

Rollei X-8 Sports contra Pentax Optio W60

1. Rollei X-8 Sports Outdoorkamera (AGFA-Optima 830UW, Hyundai S-800 etc.)

Wenn die Reisezeit mit Strand und Meer naht, fragt sich der Hobbyfotograf : Überlebt meine teure Sucher- / Spiegelreflexkamera diesen Urlaub?

Bisher nahm ich hierzu einen speziellen wasserdichten Beutel mit. Die digitale Sucherkamera war damit leider nicht mehr richtig bedienbar und im Wasser beschlug der Beutel (trotz Silikageelpack) oft so stark, dass kaum eine Aufnahme gelang und sich Kondenswasser im Inneren bildete.

Das soll sich dieses Jahr mit einer Outdoorkamera ändern! 

Kurze Beschreibung
Die Rollei hat einen 8-MB-Chip und ein optisches, im Kameragehäuse liegendes 3fach-Zoom (Spiegelsystem) mit einer Brennweite (KB) von ca. 34 bis 114mm. Das Metallgehäuse soll bis 10 m wasserdicht sein, Stürze aus einem Meter Höhe überleben und Temperaturen bis minus 5 Grad aushalten. Als Sucher dient ein nicht sehr heller 2,5“ TFT-Bildschirm mit 150.000 Pixeln.

Praktische Erfahrungen
Von dem Namen „Rollei“ dürfen Sie sich nicht blenden lassen, mit den Highend-Produkten der Vergangenheit hat diese Kamera nichts gemein. Bereits das Einlegen des Akkus ist nicht ganz so einfach, da das Akkufach nicht die Form des Energiespeichers hat und der Akku auch falsch herum eingelegt werden kann.

Abgesehen hiervon ist die Bedienung ohne Studium des Handbuches möglich. Tasten und Wippen sind natürlich etwas „schwergängiger“ als bei normalen Kameras, wegen der erhöhten Anforderung an die Wasserdichtheit. Wichtige Funktionen sind lobenswerter weise direkt Anwählbar (Foto/Videomodus, Blitz, Makro, Selbstauslöser, Belichtungskorrektur, Gegenlicht und Unendlicheinstellung). Weitere 24 Motivprogramme, Bildeffekte, Weisabgleich, Belichtungsreihen, Doppelbelichtung etc. lassen sich ebenfalls einstellen.

Die Iso-Empfindlichkeit kann manuell zwischen 64 und 1.600 gesetzt werden. Für Außenaufnahmen sollte die 200er Marke nicht überschritten werden. Bei Innenaufnahmen geht unter ISO 200 kaum was, da der Blitz sehr schwach ist. Ein richtiger Bildstabilisator (nur ISO-Anhebung) wird schmerzlich vermisst. Alle Aufnahmen wirkten unscharf , was sich Richtung Telestellung noch verstärkt, Verzeichnung und Randabdunkelung sind gering. Ohne manuelle Bildnacharbeitung geht hier nichts. Die Auslöseverzögerung beträgt ca. 1 Sekunde und bis zum nächsten Foto vergehen weitere 3 Sekunden. Schnappschussfähig ist die Kamera damit natürlich nicht.

Bedingt durch den vorgebauten Objektivschutz bilden sich im Wasser gerne Wassertropfen direkt vor der Frontlinse und verhindert somit erfolgreiche Aufnahmen.

Videoaufnahmen gelingen trotz VGA-Auflösung nur mittelprächtig und verrauscht, schwanken zudem in der Helligkeit. Zoom und Focus sind nach Aufnahmestart nicht mehr zu verändern. Um Fotos/Videos von der Kamera auszulesen, ist das kombinierte Akku/Kartenfach zu öffnen. SDHC-Karten werden bis 8 GB unterstützt.

Fazit: Für den Preis sehr ordentlich verarbeitete Einsteiger-Outdoorkamera mit jedoch sehr mäßigen Foto- und Videoeigenschaften. Aufnahmen sind lediglich in Weitwinkelstellung und manueller Nachbearbeitung brauchbar. Die Kamera braucht sehr lange zum Fokussieren und fürs Wegschreiben der Daten und ist daher nicht für Schnappschüsse geeignet. Iso-Einstellungen über 200 sollten vermieden werden. Die Kamera ist nicht „schwimmfähig“ und wiegt stattliche 170 Gramm, also an einen „Schwimmgurt“ denken…

Auf einen Blick
Getestet Rollei X-8 Sports
Auflösung: 8,0 MP Sensor 1/2,5 CCD
Bildgröße: 3264x2448, 2816x2112, 2272x1704, 1600x1200, 640x480
Bildqualität: 3 Kompressionsstufen
Dateiformate: JPG, DCF 1.1, EXIF 2.2
Objektiv Brennweite (KB): ca. 34 - 114mm (3x optisch / 4xdigital)
Blende: 3,5/6,3 (W) und 4,5/8 (T)
Empfindlichkeit: ISO Bereich: Auto / 64 / 100 / 200 / 400 / 800 / 1600
Belichtungszeiten: 1/2 - 1/2000 Sekunde
Belichtungsmessung: Mittenbetont, Punkt, Durchschnitt
Monitor: 2,5 Zoll, TFT LCD, 154.000 Bildpunkte
Blitzreichweite: 0,5 - 2,40m (Auto) mehrere Blitzmodi
Videoaufzeichnung: 640 x 480 Pixel & 320x240 mit 25 fps im AVI-Format
Selbstauslöser: 10 Sekunden, 10 + 2 Sekunden, 2 Sekunden
Menüsprachen: Deutsch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Chinesisch, Holländisch, Englisch, Französisch
Stativgewinde: Mittig
Motivprogramme: Manuell, Lachen-Aufnahme, Unterwasser-Normal, Unterwasser-Makro, Unterwasser-Sport, Verwacklungsschutz, Panorama, Portrait Mann, Portrait Frau, Landschaft, Sport,Nachtportrait,Nachtaufnahme, Kerzenlicht, Feuerwerk, Text, Dämmerung, Morgenrot, Wasserspiel, Fließendes Wasser, Schnee, Strand, Tiere, Natur, Benutzerdefiniert
Bildeffekte: S/W, Normal, Kräftig,Vergilbt, Blau, Rot, Grün, Gelb, Violett
Weißabgleich: Automatik, Neonlicht 50Hz, Neonlicht 60Hz, Glühlampenlicht, Ozean-Blau, Ozean-Grün, Tageslicht, Wolken, Seen, Manuell
Eingebauter Speicher: 32 MB
Speicherkartenkompatibilität: 2 GB SD / 8 GB SDHC-Karte
Stromversorgung: Lithium-Ionen-Akku
Abmessungen: B x H x T: 100 x 64 x 23mm
Gewicht: 158 g (ohne Akku und SD Karte)
Besonderheiten: Wasserdicht bis 10m Tiefe, Stoßfest 1m Fallhöhe, Frostsicher bis minus 5 C
Bildstabilisator, Gesichtserkennung, Panoroma-Funktion, Smile Detection, Coupling Shot etc.
Schnittstellen: USB 2.0
Videoausgang: PAL/NTSC
Lieferumfang: Benutzerhandbuch, Software CD Rom, USB Kabel, AV Kabel, Trageband, Lithium-Ionen-Akku, Akkuladegerät
CD - ROM: Bildbearbeitungssoftware "Zoner Photo-Studio 9 Express" inkl. "PanoramaMaker"
Preis ca. 150,- Euro (z.B. Amazon)

Alternativen:
Fuji Finepix Z33WP ca. 200 €, Olympus Tough 8000 ca. 350 €, Olympus u1030/1050 ca. 270 €, Canon PowerShot D10 ca. 300 €, Panasonic Lumix DMC-FT1 ca. 350 €, Ricoh G 600 ca. 380 €, Pentax Optio W60 ca. 250 €

Oder spezielle Unterwasserschutzgehäuse für ausgewählte Markenkameras!

2. Pentax Optio W60

Aufgrund der eher bescheidenen Bildqualität der Rollei (siehe Testbericht), entschloss ich mich zum Kauf einer Markenkamera.

Kurzbeschreibung
Die Pentax hat einen 10MP-Chip und ein optisches, im Kameragehäuse liegendes 5fach-Zoom (Spiegelsystem) mit einer Brennweite von ca. 28 bis 140mm (KB). Das Plastikgehäuse soll bis 4 m wasserdicht sein und Temperaturen von minus 10 bis plus 40 Grad aushalten. Als Sucher dient ein 2,5“ TFT-Bildschirm mit 230.000 Pixeln.

Praktische Erfahrungen
Ohne Studium des Handbuches geht hier weniger, es lassen sich über die Menüs sehr viele automatische und manuelle Funktionen einstellen bzw. verstellen.

Vorweg, die Bildqualität ist unterdurchschnittlich. Ähnlich der Rollei wirkten alle Aufnahmen  unscharf, und bereits ab ISO 100 (max. 6.400) rauschte die Kamera bereits merklich. Über allen Fotos liegt ein permanentes Farbrauschen, die Schärfe ist lediglich in der Bildmitte brauchbar und nimmt zum Rand hin (wie auch die Helligkeit) rapide ab.

Die Verzeichnung ist im Weitwinkelbereich sichtbar „tonnenförmig“ und Richtung Telestellung „kissenförmig“. Fokussieren und Wegschreiben der Daten gehen jedoch wesentlich flotter vonstatten als bei der Rollei, Schnappschussfähig ist sie dennoch nicht. Ohne aufwendige manuelle Bildnachbearbeitung geht auch bei der Pentax nichts. Blitzaufnahmen gelingen ähnlich schlecht, da der Blitz sehr schwach ausfällt!

Videoclips lassen sich pixelig mit 1280 x 720 und ruckeligen 15 Bildern aufzeichnen. Im VGA-Modus sind 30 Bilder drin. Die Clips wirkten etwas besser als bei der Rollei, können aber nicht wirklich überzeugen. Das Display ist mit 2,5“ ausreichend groß und hat eine Auflösung von 230.000 Pixeln. Leider rauscht das Display (vor allem bei wenig Licht) sehr stark wie bei meiner ersten Digicam aus dem Jahr 2000. Wie die Rollei verfügt auch die Pentax über keinen Bildstabilisator (nur ISO-Anhebung), und auf einen „Objektivschutz“ muss ebenfalls verzichtet werden.

Fazit: Wie es scheint ist in der Geräte-/Preisklasse bis 250 € keine vernünftige Kamera zu bekommen. Die verbauten Spiegel/Umlenkobjektive sind „lichtschwach“ und „optisch“ (Schärfe/Verzeichnung/Randabdunkelung etc.) schlecht korrigiert. Das Rauschverhalten der Pentax ist nicht auf dem aktuellen Stand. Auf einen funktionierenden Bildstabilisator muss schmerzlich verzichtet werden. Alles in Allem ist die um 100 € teurere Pentax die bessere Wahl hinsichtlich der Bildqualität. Bedienung und Verarbeitung gehen an die Rollei. Als „Erstkamera“ kann ich die Pentax nicht empfehlen, lediglich für Spezialanwendungen (Outdoor) ist sie eine Überlegung wert. Die Pentax ist ebenfalls nicht „schwimmfähig“ und wiegt stattliche 150 Gramm, also auch hier an einen „Schwimmgurt“ denken…

Auf einen Blick
Pentax Optio W60
Bis 4m wasserfest und staubdicht (IP58)
5fach Zoomobjektiv ca. 28 - 140 mm im KB-Format + Digitalzoom
Lichtstärke F3,5(W) - F5.5(T)
Bildsensor: 10,0 Megapixel effektiv; 1/2,3-Zoll CCD 
Auflösung Foto: 10M , 7,5M (16:9), 7M, 5M, 3M, 1024, 640
AuflösungVideo: 1280x720/15, 640x480/30, 320x240/30 (15)
Empfindlichkeit: Automatisch oder manuell ISO 50 - 6.400 
Speicher: Intern ca. 36,4 MB
Kartenslot: SD/SDHC-Speicherkarten 
Stativgewinde: Außerhalb der Mitte
9-Punkt-Autofokus TTL-Kontrastmess-System umschaltbar auf Unendlich, Spot, Manuell oder Nachführ-AF und Gesichtserkennung
Belichtungsmessverfahren:  Mehrfeldbelichtungsmessung, mittenbetont oder Spotmessung 
Belichtungsarten/ Motivprogramme  Programmautomatik, Easy-shot (Grün), Nachtaufnahme, Video, Tonaufnahme, Landschaft, Blume, Portrait, Unterwasser, Strand & Schnee, Sport, Kinder, Synchrone Sprachnotiz, Haustiere, Kerzenlicht, Soft, Feuerwerk, Selbstportrait, Hauttöne, Lebensmittel, Museum, Report, Sonnenuntergang, Text, Rahmen, Auto, Blur Reduction
Digitalfilter  Schwarzweiß, Sepia, Rot, Pink, Violett, Blau, Grün, Gelb, Soft 
Belichtungsausgleich  ±2 LW (in Stufen von 1/3 LW) 
Verschlusszeit: ca. 1/1500s bis 1/4s; 4s maximal im Modus Nachtaufnahme 
Wiedergabemodi  Moduspalette: Slideshow, Vergrößerung, Zuschneiden, Bild- und Tonkopie, Bildrotation, Digitalfilter, (11 Farbfilter, Softfilter, Fisheye-Filter, Helligkeitsfilter), Movie-Bearbeitung, Rahmenkomposition, Rote-Augen-Kompensation, Sprachaufzeichnung, Schutz, DPOF, Recovery-Funktion, Start-Up-Monitor, Porträt Modus 
Digitalfilter  Schwarz/Weiß, Sepia, Rot, Pink, Purpur, Blau, Grün, Gelb, Soft, Fish-Eye  Integrierter Automatikblitz, manuelle Blitz Zu- und –abschaltung, Soft-Flash-Modus und Funktion zur Reduzierung des „Rote-Augen“-Effekts
Reichweite: Weitwinkel: ca. 0,3 m-3,9m (ISO Auto); Tele: ca. 0,4 m-2,5m (ISO Auto) 
Weißabgleich  Automatik, Tageslicht, Schatten, Glühlampenlicht, Neonlicht, Manuelle Einstellung 
LCD-Monitor  2,5 Zoll -TFT Farb-LCD, ca. 230.000 Dots, mit 170° Betrachtungswinkel
Motivprogramme  Programm, AUTO Picture, Nachtaufnahme, Unterwasser, Unterwasser-Video, Landschaft, Video, Voice Recording, Digital SR, Blume, Porträt, Sport, Surf & Schnee, Kinder, Haustiere, Feuerwerk, Text, Nahrungsmittel, Nachtportrait Digital Panorama, Rahmengestaltung, Grün, Half-length Portrait 
Schnittstellen  AV-Ausgang, USB 2.0-High Speed Anschluss, Anschluss für externe Stromversorgung 
Videoausgang  Kompatibel mit NTSC und PAL (mono) 
Energieversorgung  Aufladbarer D-LI78 Lithium-Ionen-Akku , AC-Adapter optional 
Pict Bridge Drucker  PictBridge-unterstützt; Modi: Einzelbild/Alle Bilder drucken, DPOF, Papiergröße, Papierart, Papierqualität, Ränder 
Betriebsdauer  Ca. 205 Aufnahmen (Still) *, ca. 200 Minuten Wiedergabe 
Abmessungen  98 (B) x 55,5 (H) x 24,5 (T) mm (inkl. Objektivtiefe 
Gewicht  145g betriebsbereit, 125 g ohne Akku und SD-Speicherkarte 
Bezug: über Fachhandel
Preis ca. 249,- €

Klaus Fuchs im April 2009

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