Design ist Geschmackssache, leichte Bedienung wie hier 
aber ein Muss

Abspielen der auf einer SD-Karte gespeicherten Musik über
einen USB-SD-Adapter.

Vier Anschlüsse an der linken Seite.

Gut ablesbar: das Display; farblich abgesetzt: Ein/Aus-Schalter

 

Griffig und gut Bedienbar: Abstimm- und Lautstärkeregler.

Dank möglichem Batteriebetrieb und Tragegriff auch mobil zu betreiben: Sangean WFR-29D.

 

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Testbericht Sangean WFR-29D

Tolles Radio für DAB+- und Internet-Empfang - UKW schwach

VON DIETER HURCKS 

Nun hat auch Sangean einen Empfänger auf den Markt gebracht, der den Dreikampf der Systeme beherrschen soll: den Empfang von UKW, DAB + und Internetradio. Die bereits getesteten Konkurrenten hatten durchweg in der Disziplin UKW ihre Schwäche. Mal schauen, ob der Sangean da eine Ausnahme macht, der darüber hinaus weitere interessante Funktionen bietet.

 

Eckdaten 
Der Sangean macht in Sachen Design einen aufgeräumten Eindruck. Zehn Tasten unterhalb des grünen Ein/Aus-Schalters sind zur Hälfte für die Bedienung, zur anderen Hälfte (untere Reihe) für den Aufruf der 3 x 5 Speicherinhalte ausgelegt. Links darüber gibt eine LED Auskunft über den Batteriezustand, denn das Gerät kann auch mobil betrieben werden - nach entsprechendem Einstellen eines Schalters entweder mit Alkali-Batterien oder mit NiMH-Akkus. Die Akkus werden dabei im Netzbetrieb automatisch aufgeladen.

Rechts an der Seite befinden sich zwei griffige, gummierte Drehregler mit leichtgängiger Rastung, was die Bedienung vereinfacht. Der obere Drehregler dient u.a. zum Einstellen der Stationen und zum Auswählen innerhalb des Menüs, der anderen zum Regeln der Lautstärke. Per Drücken des oberen Reglers erfolgt die Bestätigung. Drückt man den Lautstärkeregler, schaltet das Gerät auf stumm.

Gut: Bei langen Menüs kann man am Ende direkt zum Anfang weiterdrehen und muss nicht komplett zurück kurbeln wie bei vielen Konkurrenzprodukten. Per BACK-Taste gelangt man zum vorherigen Menü zurück.  

Anschlussfreudig
Links am Gehäuse befinden sich die Buchsen AUX zum Anschluss eines Zuspielers wie einem MP3-Player, der Kopfhörer- und der Netzanschluss für das mitgelieferte 7,5-Volt-Steckernetzteil und die Buchse Line Out zum Anschluss etwa eines Verstärkers oder einer Stereoanlage.

Zwei Lautsprecher sorgen für einen Stereoklang mit guter Sprach- und passabler Musikwiedergabe bei nicht ganz überzeugenden Bässen. Dennoch ein für meinen Geschmack guter Kompromiss, wie er bei „Kofferradios“ mit einem Kunststoffgehäuse nicht zu umgehen ist. Zudem lässt sich der Klang durch getrennte Bass- und Höhenregler sowie durch acht schaltbare Equalizer-Klangprofile an den eigenen Geschmack anpassen. Hinzu kommt ein individuell einstellbares Profil.

Mit der Dynamikbereichfunktion (DRC) können leise Geräusche leichter hörbar machen, wenn Sie Ihr Radio in einer lauten Umgebung benutzen, indem der Dynamikbereich des Audiosignals verkleinert wird.  

Zwang zum Stromsparen
Das Display ist ausreichend groß, kontrastreich und gut ablesbar. Nach den üblichen Voreinstellungen können wir gleich ins Eingemachte gehen und den Empfang testen. Ein Problem gibt es allerdings: Es gelingt mir zunächst nicht, das viel zu schnelle Ausschalten der Hintergrundbeleuchtung (Menü-Angebot, was immer das auch heißen mag: Rücklicht - Auf der Ebene - Dim-Ebene) während des Betriebs auszustellen. Auch nach intensivem Handbuchstudium finde ich keine Erläuterung, wie sich das ändern lässt. Im Menü stoße ich zwar auf eine Funktion zum Einstellen der Anzeigedauer, jedoch geht das Licht auch bei der Einstellung 180 sec. trotzdem nach zehn Sekunden aus. Das nervt, vor allem dann, wenn man Fotos der Menüs erstellen will. Auch der Rücksprung zum zuvor eingestellten Menü geht mir zu schnell und lässt sich ebenfalls nicht verlängern. Man wird zwangsläufig zum Stromsparer!

Nach Rücksprache mit der Presseagentur schaffe ich es immerhin, dass das Display nicht ganz erlischt, sondern nur die Helligkeit reduziert wird. Die eingestellte Zeitdauer ignoriert das Radio allerdings weiterhin. Möglicherweise lässt sich dieser Fehler ja mit der nächsten Softwareaktualisierung abstellen.

 

Empfang auf UKW dürftig
Beginnen wir mit dem UKW-Empfang (mit RDS), der nach neuesten Plänen möglicherweise nur noch bis etwa zum Jahr 2020 möglich sein soll. Denn für ewig werden die Rundfunkveranstalter keine zwei Systeme finanzieren wollen. Vermutlich läuft UKW deshalb bei den „Dreikämpfern“ lediglich noch als „Ersatzmann“ auf. So auch beim Sangean WFR-29D. Nur an einem guten Standort und bei sorgfältiger Ausrichtung der Antenne sind die stärkeren Ortssender beinahe rauschfrei zu empfangen. Durchgefallen! Für die meisten Radiohörer dürfte dieses Manko allerdings kaum eine Rolle spielen, denn dafür glänzt das Gerät in einer anderen Disziplin: auf DAB +, wo sich immer mehr Sendestationen tummeln.

Die Abstimmung in 50-Hz-Schritten kann auch manuell erfolgen. Beim automatischen Suchlauf kann man die Empfindlichkeit wählen zwischen „alle Sender“ und „Ortssender“. Nur letzteres führt zu sechs einigermaßen rauscharmen Stationen.

 

Toller Empfang auf DAB +
Selbst an einem sehr schlechten Standort im Haus kommen alle beim automatischen Suchlauf gefunden und alphabetisch sortierten 24 im Band III gefunden Sender rauschfrei und ohne Störungen herein. Seine Lieblingssender kann man - je fünf auf UKW, DAB + und im Internetradio - durch mehrsekündiges Drücken auf die Speichertasten legen. Kinderleicht. Nach dem erneuten Einschalten wird der zuletzt gehörte Sender gespielt. Die Sortierung lässt sich auch nach DAB-Ensembles und aktiven Sendern einrichten. Lange nicht aktive Sender erhalten ein vorangestelltes Fragezeichen. Man sollte sowieso hin und wieder einen erneuten Suchlauf starten, da bei DAB+ derzeit einiges in Bewegugn ist.

Drückt man die INFO-Taste mehrmals, zeigt das Display nacheinander diverse Informationen wie Frequenz und Name des Multiplex’ (etwa NDR NS), Pegel (Stabilität) und Signalfehler, Bitrate und Kodierung (z.B. AAC), Datum sowie Titel und Interpret an - letzteres sogar in zwei Varianten. Weitere Text-Infos sind, je nach Sender, möglich.

Einige DAB-Radiosender bieten einen oder mehrere sekundäre Dienste an wie z.B. Kurznachrichten oder Internetadresse. Normalerweise werden diese nicht ständig ausgestrahlt. Wenn ein Sender über einen Sekundärdienst verfügt, dann erscheint der sekundäre Dienst in der Senderliste unter dem primären Dienst.  

Internetradio: Erstmal reinkommen
Die Verbindung ins Internet erfolgt ausschließlich über das drahtlose Netzwerk (WLAN). Die größte Hürde beim Internetradio-Empfang ist immer die Konfiguration des Radios, um ins Netz zu kommen. Wer es schon mal gemacht hat, schafft es vielleicht sogar ohne Studium der Bedienungsanleitung. Gedruckt liegt nur das englischsprachige Manual im Paket. Andere Sprachversionen wie Deutsch muss man sich von der CD herunter kopieren und das PDF in einem Reader wie Acrobat öffnen.

Im Normalfall findet das Radio beim Scannen die aktiven Netzwerke, worunter sich natürlich das eigene Netz finden sollte. Dieses wird angewählt, auf WPS-Verschlüsselung gedrückt und anschließend der geforderte Schlüssel eingegeben. Nach dem Bestätigen wird die Verbindung hergestellt. Da es bei der Netzwerkkonfiguration viele Sonderfälle gibt, sollte der Anwender die entsprechenden Handbücher konsultieren, falls es nicht wie hier beschrieben auf Anhieb klappt und die umfangreichen Erläuterungen im Handbuch nicht weiterhelfen.

Das Testgerät jedenfalls stellt nach Eingabe des Schlüssels tatsächlich die Verbindung ins Internet her, lädt aber bei den ersten Versuchen nicht die Senderliste, ohne die natürlich nichts geht. Der Standort des Gerätes befindet sich direkt neben meinem Noxon-Webradio, einem Gerät der „Frühzeit“, das hier seit Jahren problemlos empfängt. Der Sangean will auch bei mehreren weiteren Versuchen und mehrfachem Ein- und Ausschalten sowie Trennen vom Netz  partout nicht die Senderliste laden. Also: Erstmal eine Nacht drüber schlafen. Vielleicht ist ja gerade der Provider Frontier Silicon ausgefallen, der die Radiosenderdatenbank im Internet betreibt?

Als ich den WFR-29D am nächsten Tag ein Zimmer weiter, näher am Router (Fritz Box!) also, platziere, erscheint die übliche Liste der benutzten Radiosenderdatenbank und auch die übers Internet bezogene aktuelle Uhrzeit. Nun ist es kein Problem mehr, einen Sender der eigenen Wahl einzustellen. Ruckzuck ist dieser hörbar. Wie sich während des weiteren Tests herausstellt, lag die Ursache aber nicht an der Entfernung zum Router, sondern eindeutig an Serverproblemem bei Frontier Silicon, die auch an anderen Tagen sporadisch auftraten.  

Stationen speichern
Während es im Internet Tausende von Stationen gibt, ist die Anzahl der Direktauswahlspeicher des WFR-29D begrenzt. Zusätzlich zum Speichern bevorzugter Sender auf den Speichertasten ermöglicht das Radio das Erstellen individueller Senderlisten im Internet. Diese erscheinen in den zwei speziellen Menüs „Meine Favoriten“ und „Hinzugefügte Stationen“. Das Radio verwendet eine Datenbank, auf die über das Internet zugegriffen wird, um herauszufinden, welche Radiosender verfügbar sind und wie sie erreicht werden.

Nach Anlegen eines Benutzerkontos auf der Webseite www.wifiradio-frontier.com (auf Seite 26 des Manuals fehlt übrigens in der angegebenen URL ein i) kann man seine persönliche Auswahl dieser Datenbank hinzuzufügen. Die Listen sind nur über den PC oder das Radio verfügbar. Der Anwender kann selber auswählen, welche Sender in der Favoritenliste erscheinen. URLs von Sendern, die nicht in der Datenbank erscheinen, können direkt eingegeben werden und sind dann über die Liste „Meine hinzugefügten (der Rest ist nicht sichtbar)“ erreichbar. Wie der dafür notwendige Zugangscode zu ermitteln ist, wird - ebenfalls auf Seite 26 - erklärt. Beim zweiten Versuch klappt es und meine Favoriten, die ich bei einem früheren Test mit einem anderen Radio eingegeben hatte, stehen nun auch beim Sangean WFR-29D zur Verfügung. Darüber hinaus kann man auf der Webseite bequem nach neuen Sendern suchen und dazu die vielen möglichen Kriterien wie Genre, Ort oder Sprache zu nutzen.

Ist das Gerät erst per WLAN ins Heimnetz eingebunden, nimmt es außerdem Musik-Streams von Medienservern und Computern entgegen. Als Netzwerkspieler ist das WFR-29D voll DLNA1.5.-kompatibel und gewährleistet hierdurch eine problemlose Verbindung und Wiedergabefunktion zu einer Vielzahl vernetzter Musiklieferanten.  

Smartphone als Fernbedienung
Ebenfalls über den WLAN-Zweig lassen sich Smartphones und TabletPCs über die kostenlos zur Verfügung stehenden iSangean App als Fernbedienung für das WFR-29D verwenden. Die App liegt für Apple-Geräte bei iTunes und für Android-Devices bei Google Play zum Download bereit. Mit der App lassen sich Internetradiosender bequem aussuchen, Medien für die Musikwiedergabe auswählen und alle weitere Funktionen komfortabel bedienen. Dabei kann eine App gleich mehrere Sangean-Radios steuern.  

USB-Musikabspieler
Der Sangean lässt sich auch als Abspieler für auf USB-Stick gespeicherter Musik einsetzen. Mit einem USB-Adapter kann man auch die meisten SD-Karten verwenden. Der USB-Stick wird nach Abheben der etwas sperrigen Gummilasche einfach in die oben auf dem Gerät befindliche Buchse gesteckt,per MODE-Taste auf „Musikabspieler“ gewechselt - schon kann es losgehen.

Mit dem Windows Media Player 12 lassen sich MP3-, WMA-, AAC und WAV-Dateien auf dem Sangean-Radio wiedergeben. Der Windows Media Player 11 unter Windows XP ist nur in der Lage, MP3- und WMA-Dateien freizugeben. Beim Einsatz des Radios als Musikabspieler muss natürlich immer auch ein Computer in Betrieb sein, von dem ja die Musik geliefert wird.

Ökonomischer ist die Verwendung von USB-Speichermedien bzw. SD-Cards mit USB-Adapter, auf die ja immerhin auch Tausende von MP3-Dateien passen.  

Fazit: DAB+ top, UKW ein Flop
Das gut klingende Radio arbeitet bei Umschaltvorgängen vergleichsweise zügig, die Bedienung ist außerordentlich komfortabel und erfordert nur selten einen Blick in das umfangreiche und gut verständliche Handbuch, bei dem jedoch die Menüs (noch) nicht ins Deutsche übertragen waren. Ebenfalls vorhanden: eine Weckfunktion mit zwei Weckzeiten und Schlaftimer. Die Uhrzeit wird dabei entweder über das Internet bezogen oder aber übers DAB- bzw. UKW-Radio.

Vergisst man einmal, das Radio auszuschalten, wird es bei entsprechender Einstellung nach einer vorgewählten Zeit automatisch in den Bereitschaftsbetrieb versetzt (2, 4, 5 oder 6 Stunden). Und wenn nichts mehr geht, lässt sich das Radio schnell in den Auslieferungszustand zurück versetzen (System-Reset). Das Gleiche passiert übrigens nach einer u. a. über das Internet möglichen Softwareaktualisierung. Dann sind ebenfalls alle Speicher und eigenen Voreinstellungen gelöscht.

Der Empfang von DAB+ und Internetradio ist erstklassig, UKW dagegen ist durchgefallen. Vermisst habe ich eigentlich nur eine Fernbedienung, auch wenn eine solche in der Bedienungsanleitung genannt wird. Als Fernbedienung kann jedoch, wie oben erwähnt, ein Smartphone eingesetzt werden. Empfohlener Verkaufspreis des WFR-29D: 249 Euro.

 

Auf einen Blick

  • Getestet: Sangean WFR-29D Internetradio / DAB+ / UKW-RDS

  • 15 Senderspeicher (5 iRadio, 5 DAB+, 5 UKW)

  • Informationsanzeige für Servicedaten

  • Menü für alle wichtigen Funktionen

  • USB-Port zur Wiedergabe von MP3-Dateien

  • Kompatibel mit MP3, AAC + und WMA

  • Netzwerk-Musik-Player, spielt auf Computer gespeicherte Musik

  • UPnP / DMR-Musik-Streaming (DLNA 1.5 konform)

  • Equalizer mit acht Voreinstellungen und individueller Anpassung des Klangs

  • zwei Weckzeiten über DAB / UKW / Internetradio oder Signalton (Summer)

  • Einschlaf-Timer

  • Schlummerfunktion

  • Betrieb mit NiMH-Akkus und Alkali-Mangan-Batterien; Akkus werden beim Betrieb über das Steckernetzteil aufgeladen (integrierte Schnellladefunktion)

  • Tragebügel

  • Eingangs-/Ausgangsbuchsen: DC-Eingang, AUX-Eingang, Line-Ausgang, Kopfhörer, USB-Anschluss

  • Preis: 249 Euro (empf. VK-Preis)

  • Detail-Infos: www.sangean.eu/de/produkte/wifi-radios/wfr-29d.html

 

 

Zum Weiterlesen

So installieren Sie ein WLAN richtig mehr

Handhabung von Internetradio und die verschiedenen Datenbank-Betreiber im Vergleich: Bericht in Ausgabe 49 von funkempfang.de (kostenloser PDF-Download)

Testbericht: Mono-Version WFR-28D im Test

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