ITE-Hörverstärker: Klein, aber leider defekt

Die Bedienelemente sind immerhin größer, als an vielen teuren Hörgeräten.

Sieht schick aus, bringt aber wenig: der Hörverstärker im Headset-Design. Foto: Pearl

Lieferumfang: Knopfzellen und Siliconstöpsel

 

Hörverstärker: Gut zu bedienen, aber leider verursacht das Drehen an den Reglern heftige Geräusche in den Ohren

 

 

 

 

 

 

Wenn das Gehör nachlässt

Was taugen billige Hörverstärker aus dem Elektronikversand?

VON DIETER HURCKS

Hörgeräte, die vom Ohrenarzt empfohlen werden, kosten beim Hörgeräte-Akustiker leicht 1000 Euro und noch viel mehr. Für wenig Geld bieten Elektronikversender wie Pearl preiswerte Hörverstärker an, die bei Hörschwäche zumindest zeitweise Abhilfe schaffen sollen, etwa beim Fernsehen. FE wollte wissen, was diese Geräte taugen.

Aus dem Pearl-Katalog Herbst 2015 bzw. dem Internet-Auftritt des Unternehmens habe ich zum Testen den Im-Ohr-Verstärker (ITE) für schlappe 19,90 Euro bestellt, den Hörverstärker mit Mikrofon für 14,90 Euro und den Hörverstärker im Headset-Design für unglaubliche 6,90 Euro. Dabei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Geräte natürlich kein medizinisches Hörgerät ersetzen können.

 

Bügelloser ITE-Hörverstärker

Das kleinste Gerät, der winzige, fleischfarbige und nur 3 Gramm leichte Hörverstärker von newgen medicals, kam im größten Paket. Grund: das Steckernetzteil. Denn um die Geldausgabe der bei Hörgeräten nicht billigen Batterien zu vermeiden, habe ich die Variante mit Akku bestellt. Die naturgemäß bei der Gerätegröße von nur ca. 1 x 2 x 3 cm winzige USB-Buchse befindet sich hinter einer Gummilasche, die man erst einmal geöffnet bekommen muss. Dann gilt es, den Stecker einzuführen, ehe der Ladevorgang beginnen kann. Das sind für manch einen schon hohe Hürden vor der Inbetriebnahme.

Nach dem ersten Aufladen muss nur noch ein Silicon-Ohrstöpsel aus den sechs beiliegenden Varianten gewählt werden, dann sollte der Erfolg eintreten: Ab sofort werden sie „Alltagsgeräusche, Gespräche und Filme besser verfolgen können, da der Ton durch den Einsatz des Hörverstärkers deutlich klarer und lauter sein wird, als zuvor“ heißt es in dem Anleitungszettel. Darin wird empfohlen, zunächst zu prüfen, ob der Lautstärkeregler nicht voll aufgedreht ist, was evt. zu Hörschäden führen könnte.

Der winzige Regler besitzt fünf Noppen, die man erst mal zu fassen bekommen muss, um am Regler zu drehen. Nichts für steife Finger älterer Menschen. Auch ich habe Mühe, das Rädchen zu bewegen. Neben dem Regler befindet sich ein Schiebeschalter, mit dem der Hörverstärker eingeschaltet wird. Ein roter Punkt an der Position für EIN wäre (nicht nur) für Menschen mit Sehschwäche hilfreich. Also einschalten und in den Gehörgang einfügen. Resultat: Rauschen. Die Verstärkung von Stimmen und anderen Geräuschen funktioniert gar nicht. 

Fazit des gescheiterten Testversuchs: Gerät vermutlich defekt, daher zurückschicken.

Hörverstärker im Headset-Design

Dieses Gerät, das Geräusche „näher heran holen“ soll, kann laut Katalog bzw. Internetseite von Pearl dies: „Lässt leise Töne lauter klingen und tarnt sich dabei als Telefon-Headset“. Zur Inbetriebnahme müssen zunächst zwei Knopfzellen eingelegt werden, die jeweils von einer Feder wieder hoch gedrückt werden. Nach dem Zuschieben der durch einen Pfeil markierten Abdeckklappe und dem Aufstecken eines der drei mitgelieferten Ohrstöpsel ist das Gerät betriebsbereit. Die Bedienung stellt kein Problem dar, weil man lediglich den Lautstärkeregler mit Ein/Aus-Funktion betätigen muss.

Etwas komplizierter scheint es zunächst, den Hörverstärker richtig am Ohr zu platzieren. Da der Haltebügel jedoch biegsam ist, sitzt er nach kurzer Probierphase halbwegs fest am Ohr. Nur der Stöpsel ragt nach meinem Gefühl nicht weit genug in den Gehörgang.

Nun folgt die Probe aufs Exempel, ob der Werbesatz stimmt: „Im direkten Gespräch kann Ihr Gegenüber in normaler Lautstärke reden. Beim Fernsehen hören Sie besser, ohne die Nachbarn oder den Partner zu stören.“

Für den Test stecke ich ins eine Ohr den Hörverstärker, ins andere Ohr ein Oropax. Dann sollte die Lautstärker nur so weit aufgedreht werden, bis es wegen der Rückkopplung anfängt zu piepen (oder hupen), und anschließend wieder zurück, bis das Piepen gerade aufhört. Nun ist tatsächlich etwas zu hören. Besonders gut scheint die eigene Stimme verstärkt zu werden.

Leider ist der Lautstärkeregler so ungünstig platziert, dass, wenn das Gerät am rechten Ohr sitzt, der einstellende Finger mit dem Haltebügel in Konflikt Gerät. Sitzt das Gerät dagegen am linken Ohr, ist der Bügel nicht im Wege. Egel, welchen Siliconstöpsel ich verwende: Der Hörverstärker bekommt im Gehörgang keinen richtigen Halt, so dass der Schall nur bedingt den Hörgang erreicht. Fazit also: Ziel nicht erreicht!

  Lieferumfang

Hörverstärker mit „Richtmikrofon“

Kandidat Nummer 3 kommt mit dem Hinweis auf den Tisch: „Der Hörverstärker ist keine medizinische Hörhilfe“, was natürlich auch nicht zu erwarten war. Zum Lieferumfang des nur 27 Gramm leichten und 40 x 69 x 20 mm kleinen Geräts „mit Richtmikrofon“ gehören eine Bedienungsanleitung sowie ein Tragegurt, ein Gürtelclip und ein laut Anleitung „Stereo-Kopfhörer“ sowie zusätzliche Kopfhöreraufsätze aus Schaumstoff. Eine Batterie vom Typ AAA Micro wird zum Betrieb benötigt (nicht dabei).

Also: Kopfhörer einstöpseln und die beiden nicht mit R fürs rechte und L fürs linke Ohr gekennzeichneten „In Ear“-Ohrenstöpsel in die Ohren stecken, dann über den kombinierten Lautstärkeregler mit Ein/Aus-Funktion das Gerät einschalten und langsam lauter drehen. Der Nachrichtensprecher aus dem in geringer Lautstärke betriebene Radio ist gut zu verstehen. Allerdings führt jede kleinste Bewegung des Ohrhörerkabels zu lauten Störgeräuschen. Das Gehäuse und die Kopfhörerbuchse sind schallmäßig nicht entkoppelt. Deshalb ist sogar das eigene Atmen zu hören. Husten löst ein heftiges Geräuschgewitter in den Ohren aus. Von einer Richtwirkung des Mikrofons kann also keine Rede sein. 

Einzig hilfreich wäre es, das Gerät über eine Kopfhörer-Verlängerung vom Körper zu entfernen und z.B. auf den Tisch zu legen, damit mechanisch verursachte Störungen vermieden werden. Selbst das Drehen an den Reglern tut in den Ohren weh. Ein Gerät, bei dem das Mikrofon extern über ein flexibles Kabel angebracht werden kann, wäre sicherlich die bessere Lösung. Störgeräusche ausblenden erfordert allerdings einen wesentlichen höheren Aufwand und ist nur zu wesentlich höheren Preisen realisierbar.

Fazit: bedingt hilfreich, wenn man allein in einem Raum sitzt und sich beim Fernsehen oder Radiohören nicht bewegt. Sprache wird gut verstärkt, Musik klingt blechern.

Gesamtfazit: Wer schlecht hört, muss weiterhin zum Hörgeräteakustiker gehen. Das wenige Geld für die Hörverstärker kann man sich sparen, auch wenn sie nur für den vorübergehenden Einsatz gedacht sind..

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